Das MEADE Schmidt-Cassegrain Teleskop (SCT)

Diese erschwinglichen Amateurgeräte haben meist 8 oder 10 Zoll Öffnung und werden entweder mit einem Öffnungsverhältnis von 1:10 oder 1:6,3 gebaut.
Baubedingt sitzt der Fangspiegel immer mittig im Strahlengang und stört somit.
Beim Kauf im Jahre 1989, legte ich Wert auf eine möglichst große Öffnung, die aber auch transportabel und bezahlbar sein sollte. Ich entschied mich daher für ein SC.
Deutlich zu sehen ist die Frontseite des Teleskopes. Die Glasplatte ist eine optisch geschliffene Schmidtplatte und ist auch vergütet (SMC). Sie dient dazu, optische Unzulänglichkeiten des Systems zu korrigieren. Ich habe die lichtstarke Version mit 1600mm Brennweite, welches einem Öffnungsverhältnis von 6,3 entspricht. Das lichtstarke System hat einen sehr großen Fangspiegel. Je größer der Fangspiegel, desto ungünstiger. Der Kontrast läßt etwas nach und die Bildschärfe wird geringer gegenüber dem 1:10 Modell. Dafür sind die Belichtungszeiten deutlich kürzer als bei der 1:10 Variante.

Die Rückseite des Teleskopes. Die silberne Rohrschelle diente zur Adaption einer  Videokamera und ist nicht
serienmäßig  ;-)
Als erstes sieht man deutlich das Okular und eine Barlowlinse, welche die Brennweite des Teleskopes
verlängert. Hier schaut man hinein und sieht das vergrößerte Bild des Hauptspiegels.
Anstelle des Okulars kann hier eine Kamera oder Videokamera platziert werden. (Direkter Fokus).
Rechts daneben der Fokussierknopf. Mit seiner Hilfe wird das Bild scharfgestellt. Ich habe ein
Zahnrad (orange auf dem Foto) aufgesteckt, um den Hebel zu verlängern. Im Winter geht die Fokussierung
recht schwer.
Mit Zahnrad gehts wesentlich leichter und man hat mehr Gefühl beim Einstellen der Schärfe.
Mit Hilfe einer Gewindestange wird der Hauptspiegel bewegt und damit wird die Fokussierung erreicht.
Leider kann es dabei zum Spiegelshifting kommen, welches für die Fotografie eine Menge Frust
bedeuten kann. Ich habe damit zum Glück noch keine negativen Erfahrungen gemacht.
Spiegelshifting bedeutet, das während einer Langzeitbelichtung der Hauptspiegel leicht um seinen Mittelpunkt kippt.
Dadurch werden die Sterne strichförmig abgebildet, selbst bei präziser Nachführung.
Das Standardzubehör ist in 2 Zoll ausgeführt und kann mittels Adapter auf 1 1/4 Zoll reduziert werden.

Technische Daten

Öffnung: 254mm (10 Zoll oder 10" geschrieben)
Brennweite: 1600mm
Baulänge: ca. 45 - 50cm. (geschätzt)
Gewicht: Komplett, inkl. Mont. Stativ ca. 45kg.
Visuelle Grenzgröße: 14,5 mag. *
Fotografische Grenzgröße: ca. 17,0 mag. - 18,0 mag. *
Max. Auflösung (Theoretisch) 0,45" *

*  Es handelt sich hierbei um rechnerische Werte, die im Alltag sehr stark schwanken können! Die Werte sind vor allen Dingen abhängig von der Luftruhe, der Himmelshelligkeit, also auch, ob der Mond am Himmel steht usw...

Das Fernrohr hat also gegenüber dem menschlichen Auge, welches im Schnitt etwa die 6.Größenklasse noch erkennen kann, ein Lichtsammelvermögen von:
Visuell: ca. 1500 Fach, Fotografisch (ungeh. Film): ca. 9000 Fach, Fotografisch (CCD): ca. 150000 Fach ! Der Vorteil der CCD-Kamera gegenüber dem Film wird hier ersichtlich.

Reinigung der Optik

Irgendwann kommt der Zeitpunkt. Es hat sich viel Staub, oder gar richtiger Dreck, angesammelt. Sei es auf der Frontplatte oder gar auf dem Hauptspiegel.
Daher meinerseits einige Tips zur Reinigung des Gerätes. Ich übernehme keinerlei Verantwortung für eigene Reinigungsversuche !
Als erstes: Nur reinigen, wenn es wirklich notwendig ist und nicht eher. Leichte Staubansammlungen sind nicht im Bild zu sehen und bedürfen keiner Reinigung. Egal ob auf der Schmidtplatte oder dem Hauptspiegel. Ebenso vereinzelte leichte Kratzer. Selbst der riesige schwarze Fleck des Fangspiegels (etwa 70mm Durchmesser) sieht man im Bild nur indirekt. Was also soll ein Fleck von 1 oder 2mm Größe bewirken ?
Gibt es aber doch den seltenen Fall, das das Gerät geöffnet werden muß, dann wie gleich folgt.
Als erstes noch:
Die Schmidtplatte von außen nur mit einem fuselfreien Tuch und destilliertm Wasser reinigen. Das Meiste läßt sich damit entfernen. Achtung, die Vergütung bei meinem älteren Modell geht sehr schnell dahin, also Vorsicht und nicht zu oft reinigen !
Sollte der Hauptspiegel stark verschmutzt sein, dann wird als erstes die Schmitdplatte gelöst. Hier kann ich nur für mein Teleskop sprechen. Ich weiß, das bei Celestron Fernrohren das Öffnen etwas schwieriger ist.

Das Öffnen

Die Schmidtplatte wird durch einen schmalen Plastikring, der mit Inbusschrauben befestigt ist, gehalten.
Bevor die Platte entfernt wird, setzt man eine Markierung mit einem Edding. Es ist nämlich wichtig, das die Frontplatte sich nicht gegenüber dem Hauptspiegel verdreht. Die Schmidtplatte ist nämlich handkorrigiert  und zwar für die eingesetzte Position. Also, falls nicht schon vom Werk aus eine Markierung vorhanden ist, bitte eine Markierung setzen.
Z.B. einen kleinen Punkt am Schmitdplattenrand (nicht auf dem Plastikrand, sondern direkt auf dem Glasrand) und den zweiten am Tubusrand in gleicher Höhe. Nun vorsichtig alle kleinen Inbusschrauben an der Schmidtplatte lösen. Nicht vergessen, nach dem Lösen der letzten Schraube, kann die Glasplatte herunterfallen ! Also gut festhalten.
Die Platte liegt auf Korkmaterial auf. Falls das Teleskop schon ein paar Jahre alt ist, kann es sein, das die Platte auf dem Kork klebt. Bitte Vorsicht walten lassen. Am besten bei der Demontage das Teleskop fast vertikal stellen, dann sollte nichts passieren. Sind alle Schrauben entfernt, kann der Plastikring entfernt werden und somit auch die Schmidtplatte.
Am besten wird die Korrektionsplatte auf die Frontseite gestellt, da der Fangspiegel als Abstanshalter dient.
Nun ist der Blick frei auf den Hauptspiegel. Er läßt sich nun reinigen. Destilliertes Wasser mit etwa Pril sollte reichen.
Nach der Reinigung unbedingt drauf achten, das alle Restfeuchtigkeit aus dem Tubus entweichen kann.
Ist das geschehen, in umgekehrter Reihenfolge alles wieder zusammensetzen. Die Inbusschrauben mit Gefühl festziehen. Sie müssen nicht viel Last aushalten und sollten die Platte durch zu festes Anziehen nicht verbiegen.
Die Schmidtplatte läßt sich schlecht festhalten. Die Fangspiegelhalterung dient hier als mehr oder weniger als Griff. Es ist deshalb ratsam, nach dem Zusammenbau den Fangspiegel erneut zu justieren. Da sind wir schon beidem nächsten Thema...

 

Die Justage des Fangspiegels. 

Normalerweise werden drei Inbusschrauben verwendet, um den Fangspiegel zu justieren. Das ist schon das Problem. Es ist nahezu unmöglich, gleichzeitig durch das Teleskop zu schauen und dann mit der anderen Hand vorne am Fangspiegel die Schrauben zu drehen. Das geht nur mit einem Inbusschlüssel.
Dieser kann im Dunkeln leicht abrutschen und die Schmidtplatte verkratzen !
Bei dem 10 Zoll Teleskop ist die Länge des Tubus zu groß, damit das gelingt.
 
Abhilfe schaffen drei andersartige Schrauben. Die Schrauben sind groß und als Rendelschrauben ausgeführt. Der Inbusschlüssel entfällt. Damit ist es sehr gut möglich, den Fangspiegel praktisch bei jedem Einsatz vorher zu justieren. Eine absolut lohnende Investition !! Die sogenannten Bob's Knobs.
Ich möchte die Schraubenauf  keinen Fall mehr missen.
Achtung, der Fangspiegel wird nur durch die drei Schrauben gehalten. Werde alle Schrauben auf einmal gelöst, fällt der Fangspiegel auf den Hauptspiegel. Das wäre der GAU !

Zur eigentliche Justage wird ein heller Stern in die Bildmitte eingestellt. Anschließend wird der Stern unscharf gestellt. Extra- oder Intrafokal ist egal.
Das hat den Sinn, das der Fangspiegel in der Bildmitte oder nahe der Bildmitte erscheint. Siehe Bild 1.

Links ist der Ausgangsfall dargestellt. Der dunkle Fangspiegel befindet sich nicht in der Mitte, wie er eigentlich sollte. Bei schwacher Vergrößerung  wird immer die gegenüberliegende Schraube verstellt. In diesem Fall ist es die Schraube, die sich oben befindet.
Der schwarze Fangspiegel wandert nun zur Kreismitte.
Gleichzeitig wandert der helle Kreis aus dem Bild. Er muß wieder in die Bildmitte eingestellt werden. Der Vorgang wird wiederholt, bis der Fangspiegel die Position im rechten Bild erreicht hat. Dort ist er noch nicht ganz genau mittig. Für den Rest der Einstellung wird eine hohe Vergrößerung und eine sehr ruhige Luft benötigt.

Selbst aber mit der ersten Justage bei schwacher Vergrößerung, wird schon eine deutliche Bildverbesserung erreicht. Nur für Planeten- und stark vergrößerte Mondaufnahmen wird die vollkommene Justage benötigt. Mit etwas Gefühl ist es schon in wenigen Minuten möglich, nah an das Optimum zu gelangen.

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