Stand: 06.01.2009
Es war einmal... so beginnen viele Märchen, ich als Papa weiß das
besonders ;-)
Nun war ich auf der Suche, nach einem günstigen aber einigermaßen
lichtstarkem Teleobjektiv. Sucht mal Testberichte im Internet, die das
440er Walimex beschreiben, ich habe nichts gefunden. Es gibt allerdings
Foren, wo sich Leute über die optischen Eigenschaften dieses Teles
streiten, obwohl keiner dieser Leute diese Optik besitzt !
Die zugesicherten Eigenschaften waren viel versprechend und so schaute
ich im weiten Internet nach dem günstigsten Anbieter. Das Tele wird
massenhaft für ca. 200 Euro angeboten. Es geht aber noch günstiger (s.
ganz unten).
Das Tele-Objektiv kam gestern Abend mit UPS. Sehr schnelle Lieferung.
Freitags bestellt, nächste Woche Dienstag erhalten.

Für die kleine Sarah ganz schön groß ;-) Das Walimex 440/5,6 mit dem
Okularadapter und dem 40mm Plössl Okular.
Zusätzlich zum Tele, welches einen T2-Anschluß hat, habe
ich einen Adapter (T2--> M42, 20,-) mitbestellt.
Meine 300Da-P hat ja diesen M42-Adapter immer montiert.
Erster visueller Check:
Das 440er Walimex wird mit Objektivdeckeln vorn und hinten geliefert.
Außerdem gibt es einen Schutzbeutel und einen doppelten Karton.
Das Design ist schlicht gehalten. Der niedrige Preis lässt sich sofort
erklären !
Es handelt sich um einen Zweilinser im schlichten Tubus, das war's. Es
gibt keine einstellbare Blende, sondern nur die volle Öffnung.
Beim 300er Spiegeltele ist das aber genauso und sollte den
Astrofotografen nicht weiter stören.
Die 78mm Frontlinse (ein guter 3 Zöller) sammelt schon viel Licht. Ein
Öffnungsverhältnis von 5,6 würde ich nicht als sehr lichtstark
bezeichnen, aber für die Astrofotografie durchaus akzeptabel.
Bei dieser Öffnung kommt sofort der Wunsch auf, das Tele mit diversen
Okularen zu testen.
Erst mal durchschauen...
Am Abend, kurz nach dem Auspacken, konnte ich doch tatsächlich gleich
die Venus anpeilen. Als erstes nahm ich mein 40mm Plössl Okular, welches
eine scharfe Optik besitzt.
Mit dem 40er Okular wird eine nur 11 fache Vergrößerung erreicht. Das
Bild wird entsprechend lichtstark. +
Beeindruckend ist die Bildschärfe. Wesentlich schärfer zeichnend, als
das Spiegeltele, da bei der Linsenoptik kein Fangspiegel stört.
+
Sehr feinfühlige Fokussierung, die auch bei Minusgraden sehr
sauber funktioniert. +
Intrafokal wird das Bild schnell grünlich. Extrafokal wird es sehr
schnell rötlich. Die Venus zeigt die Grenzen, ist aber auch ein extrem
ungnädiges Testobjekt, da sehr hell.
Als ich die Venus 2 Sekunden belichtet hatte, sah ich nur einen hellen,
weißen Schein, keine Farbränder.
Ich habe die Venus auch nur durch das Fenster anpeilen können, da
draußen -15 Grad waren, was mir dann doch zu kalt war.
An dieser Stelle möchte ich empfehlen, KEINEN zusätzlichen
Brennweitenverdoppler (Konverter) zu benutzen !
(Der Konverter verdoppelt nicht nur die Brennweite, sondern auch die
Farbfehler ! Ebenso wird die Lichtstärke um 2 weitere Blendenstufen
kleiner.).
440mm sind aber auch schon ziemlich, zumal bei einem Cropfaktor von 1,6,
wird ja scheinbar noch mehr draus.

Wer noch Zweifel hat, die Linsen sind aus Glas ;-)
Die Vergütung scheint hochwertig und lässt, wie versprochen, eine sehr
gute Detailschärfe und Farbwiedergabe zu.
Unten am Objektiv sind noch einige kleine Wassertröpfchen zu sehen, die
beim Rausgucken aus dem Dachfenster entstanden.
Das Walimex scheint sehr präzise justiert zu sein.
Am nächsten Tag:
Bei dem Preis war ich drauf eingestellt, beim Durchschauen auf einige
Farbsäume zu treffen.
Fehlanzeige. Bei 11 facher Vergrößerung, gibt es ein farbreines helles
Bild.
Ist das Bild gut fokussiert, dann scheinen keine Farbränder vorhanden zu
sein. Bei Vogelbeobachtungen beispielsweise, sind feinste Details zu
sehen.
Im unscharfen Bereich hingegen zeigen sich dann doch Farbsäume.
Extrafokal grünlich, Intrafokal rötlich.
Mit dem 25mm Kellner-Okular werden noch deutlich mehr Details sichtbar.
Die Farbsäume im scharf gestellten Bereich sind evtl. ganz leicht
vorhanden, stören aber nicht.
Ich bin mir nicht sicher, ob und wie viel Einfluss die Okulare auf
diesen Effekt haben. Sicherheit bringt hier nur die Kamera.
Um es kurz zu machen: Visuell ist es auf jeden Fall empfehlenswert und
überraschend gut. +
Der einzige Minuspunkt könnte im fotografischen Bereich erscheinen !?
...erledigt +
Typische Blausäume, wie sie auch beim 135er Zeiss auftreten, sind kein Weltuntergang. Sie werden zuverlässig vom CLS-Frontfilter weggefiltert und lassen so eine beeindruckende Bildschärfe zu. Ähnliches hoffe ich vom Walimex. ......trifft zu ! +
Fotografische Tauglichkeit:
Obwohl das Foto mit Sonnenschein aufgenommen wurde, ist es frei von
Farbsäumen :)
Ich habe einen 1 1/4 Zoll IR-Sperrfilter dazwischen gesetzt.

Ein weiteres Foto zeigt einen Nadelbaum aus etwa 40
Metern Entfernung. Darunter Ausschnitte aus dem Gesamtbild, oder einfach
auf die große Version klicken !

Ausschnitt aus der Ecke oben links

Bildmitte

Fazit: Das Tele behalte ich auf jeden Fall. Einen
IR-Sperrfilter einbauen, das lohnt sich !
Für einen Zweilinser sehr ordentlich.
Nachtrag: 30.1.2009
Endlich hat es geklappt. Der Pferdekopf als Testobjekt. Ich bin positiv
überrascht, was das 440mm Walimex Tele abbilden kann.
Die Aufnahme entstand mit der 300Da.
Besser, als mein 300er Spiegeltele. Die Randverzeichnungen sind
minimal und weit besser, als die von meinem SCT !!
Die Aufnahme wurde mit einem zusätzlichem IR-Sperrfilter gemacht.
Ganz wichtig, die exakte Fokussierung. Schon winzigste
Abweichungen lassen die Sterne farbig (rot oder blau) erscheinen.
Glücklicherweise hat das Walimex eine sehr saubere und stabile
Fokussierung.
EBV: Helligkeit angepasst. Automatischer Weißabgleich, ansonsten nichts
verändert. Komplettes Bild.
Die Randverzeichnungen sind gar nicht so tragisch.

Ein wirklich interessanter Vergleich erfolgt zum
Abschluss.
Ausschnitt aus dem Rosettennebel-Zentrum. Linkes Bild von 2006, f=800mm
1:3, 10 Zoll SC-Teleskop.
Wie in der Praxis so oft, sind manche Bilder nicht perfekt fokussiert,
und/oder nicht richtig punktförmig nachgeführt, wie in diesem Fall.
Rechtes Bild, gleicher Ausschnitt, auch nicht perfekt fokussiert, aber
schon nah dran.. Trotzdem schärfer. f=440mm, 1:5,6, Walimex Tele !
Das rechte Bild wurde wesentlich kürzer belichtet.

... das Walimex ist besser, als gedacht, wirklich ein Schnäppchen !
Das Walimex Tele hat natürlich seine Grenzen, was
die Farbsäume um hellere Objekte (wie z.B. Sterne) betrifft. Für den
Preis ist es aber trotzdem gut einzusetzen und die Bildschärfe erstaunt
mich auch heute noch.
Ich verwende das Walimex Tele nach wie vor sehr gerne. Beim Fokussieren
allerdings, kann man noch etwas herausholen.
Mein Tipp (für DSLR):
Wenn blaue Himmelsobjekte (z.B. überwiegend blaue
Sterne in einem Sternhaufen, oder blaue Nebel) fotografiert werden, dann
so fokussieren, das die hellen Sterne keine Blausäume mehr haben.
Leichte rote Farbsäume sind dann nicht tragisch.
So ist es möglich, den blauen Teil sauber scharfzustellen und den roten,
unscharfen Anteil per Software herauszurechnen. Wenn rote Nebel, oder
überwiegend rote Sterne fotografiert werden, dann so scharfstellen, das
leichte blaue Säume zu sehen sind. Dann ist zumindest der Rotanteil
sauber scharfgestellt und somit ist es das kleinere Übel. Deutlich zu
sehen ist der Effekt beispielsweise beim Pferdekopfnebel, der ja scharfe
Grenzen zwischen rot und schwarz hat. Die Definition im Nebel ist dann
deutlich besser. Die Blausäume lassen sich sehr gut mit „Fitswork“
wegrechnen.
In der RGB-CCD Aufnahmetechnik gestaltet sich das Fokussieren eh etwas anders. Dort werden ja Rot/Grün/Blau nacheinander fotografiert, so das hier ein separates Scharfstellen auf jeden Fall angebracht ist. Für Farb CCD Chips (One shot), gilt natürlich das Gleiche wie für die DSLR Kamera !
Anmerkung:
Bei Spiegelobjektiven oder Spiegelteleskopen entfällt diese Art der
Fokussierung.
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